Standort 7: Petřín

Wenn wir vom Stadtzentrum von Jablonec nad Nisou in südliche Richtung schauen, entdecken wir am Horizont eine Anhöhe mit einer auffälligen Silhouette eines markanten Gebäudes. Bei guter Sicht ist es fast nicht zu übersehen. Trotzdem fand dieser Ort lange Zeit von Wandervereinen, die im 19. Jahrhundert ihre Glanzzeit hatten, keine Beachtung.

Erst im Jahre 1906 nutzte Richard Fellinghauer die Situation, indem er hier im Katastergebiet der früher eigenständigen Gemeinde Vrkoslavice ein Gasthaus mit Aussichtsturm baute. Die Anhöhe wurde damals nach einem der hiesigen Einwohner Nickelkoppe genannt, und so erhielt auch die Gaststätte den Namen „Zur Nickelkoppe“. Die feierliche Eröffnung fand am Sonntag, dem 2. Dezember dieses Jahres statt. Es schien so, als ob die Eröffnung der Gaststätte ohne größere Publizität vonstatten ging, da sich die hiesige Presse dem Ereignis gegenüber gleichgültig verhielt. Möglicherweise hatten auch die schlechte Werbung, vielleicht auch das Wetter oder auch die Konkurrenz darauf Einfluss.

Trotz der ausgezeichneten Lage gewann die Einrichtung des Herrn Fellinghauer nicht genügend Anhänger, von Anfang gab es einen regen Wechsel von Besitzern und Pächtern. Anfang 1934 pachtete Hans Öser das Restaurant, der sich bemühte, die Gaststätte in „Öserwarte“ (Öserscher Aussichtsturm) umzubenennen. Der Name bürgerte sich jedoch niemals ein, ebenso wie „Hohenwarte“. Die tschechische Bezeichnung Petřín entstand erst nach 1945.Von dem traditionellen Namen wurde wegen der schwierigen Übersetzbarkeit in die tschechische Sprache abgegangen. In dieser Zeit diente das Objekt als Kinderheim. Die Situation änderte sich erst Mitte der sechziger Jahre im Zusammenhang mit den internationalen Bijouterieausstellungen in Jablonec nad Nisou. Damals wurde das Restaurant in das Eigentum des staatlichen Betriebs „Restaurants und Speisegaststätten“ übertragen. Der Petřín wurde zu einer beliebten Einrichtung und Ausflugsort. Anteil daran hatte zweifelsfrei die ideale Lage, die den wohl schönsten Blick auf die Stadt Jablonec, die von allen Seiten von den grünen Bergrücken des Isergebirges umgeben ist, bietet.

Mit den veränderten wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen nach 1989 gab es wieder mehrfach einen Besitzerwechsel. Das Ergebnis war die Schließung des Petřín und sein schneller Verfall und Zerstörung. Fünf vor zwölf – im Jahre 1996 – kaufte das Objekt der derzeitige Besitzer. Nach nervenaufreibendem Hin und Her ist es ihm gelungen, das Gebäude geschmackvoll zu rekonstruieren und auch die Übernachtungsmöglichkeiten zu erweitern. Ebenso nahm er den Aussichtsturm wieder in Betrieb, der lange Zeit nicht zugänglich war.

Die Neueröffnung, die diesmal wirklich feierlich war, fand am 2. Oktober 2000 statt.

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Petřín

 

Petřín

 
 
Hergestellt 22.6.2006 13:07:54 | gelesen 19568x | Petr Vitvar