Standort 4: Schienenverkehr, Straße Střelecká

An dieser Stelle überqueren die Straßen Střelecká und Pražská die von Jablonec nad Nisou nach Tanvald führende Eisenbahnstrecke. Die Strecke führt hier durch einen tiefen Einschnitt und verläuft an der Peripherie der Stadt durch bebautes Gebiet. In der Straße Pražská fuhr früher auch die Straßenbahn von Janov über Jablonec nach Rychnov.

Die Entwicklung der Stadt konnte Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts ohne Anbindung der Stadt an den Schienenverkehr nicht erfolgreich verlaufen. Als 1859 die Eisenbahnstrecke von Turnov nach Liberec gebaut wurde, blieb Jablonec seitlich liegen, der nächstgelegene Bahnhof war erst in Rychnov. Es bleib deshalb nichts anderes übrig, als eine eigene Verbindung nach Liberec durchzusetzen. Das gelang aber erst in den 80iger Jahren des 19. Jahrhunderts. Gleichzeitig wurde auch der Anschluss des östlichen Teils des Kreises, also der Textilstadt Tanvald und Umgebung und des Polubensker Gebietes mit vorhandener Glasindustrie, realisiert.

Der Bau war allerdings von verschiedenen Schwierigkeiten begleitet, finanzielle Probleme nicht ausgenommen, und so konnte erst im Oktober 1887 mit dem Bau begonnen werden. Dann ging alles sehr schnell. Zeitgleich mit dem Bau des Bahnkörpers lief der Bau der Bahnhofsgebäude, und bereits ein Jahr später wurde alles für die Eröffnung des Betriebs auf dem ersten Abschnitt zwischen Liberec und Jablonec vorbereitet. Am Sonntag, dem 25. November 1888 um 9.00 Uhr fuhr der erste Zug von Jablonec nach Liberec.

Die Verlängerung der Strecke bis Tanvald war aus technischer Sicht sehr anspruchsvoll. Es musste u. a. ein 417 Meter langer Tunnel bei Lučany und ein 123,5 Meter langer und 26,7 Meter hoher Viadukt bei Smržovka gebaut werden. Im Juli 1894 fuhr der erste Zug von Jablonec nach Lučany und im Oktober des gleichen Jahres auch weiter bis Tanvald. Nach der Inbetriebnahme eines weiteren Abschnittes bis Kořenov (1902) und nach dem Anschluss der deutschen Seite (heute Polen) hatte Jablonec internationalen Eisenbahnanschluss.

Der Bahnhof in Rychnov hatte jedoch seine Bedeutung für das Industriegebiet um Jablonec nicht verloren. Ende des 19. Jahrhunderts wurden für das Stadtgebiet von Jablonec und die Umgebung mehrere Schmalspurstraßenbahnen vorgeschlagen. Sie sollten dem Güter-, aber gleichzeitig auch dem Personenverkehr dienen. Zu den ersten in Betrieb genommenen Straßenbahnen gehörten ab 1900 die Strecke von dem Jablonecer Brandl, wo ein Gaswerk stand, nach Rýnovice und Janov (Glaswerke) und von Brandl nach Horní Jablonec.

Im November 1902 wurde dann der Güterverkehr von dem Eisenbahnumschlagplatz in Rychnov über Kokonín, Vrkoslavice, Jablonec und Mšeno nach Janov aufgenommen.

Die Straßenbahn gewann schnell an Beliebtheit, wurde allerdings aus verschiedenen Gründen schrittweise durch den Automobilverkehr ersetzt. Im Jahre 1965 wurde der Betrieb auf der letzten Strecke zwischen Rychnov und Janov eingestellt. Gefahren wird nur noch auf der 1955 in Betrieb genommenen Verbindung zwischen Jablonec n. N. und Liberec.

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Straße Střelecká

 

Straße Střelecká

 
 
Hergestellt 21.6.2006 15:50:32 | gelesen 17572x | Petr Vitvar