Standort 12: Straße Kokonínská

Nachdem wir durch den Wald gegangen sind, befinden wir uns nun auf einer Anhöhe am Stadtrand. Gleichzeitig haben wir die Grenze der Katastergebiete Vrkoslavice und Jablonec nad Nisou überschritten. Die Straße Kokonínská fällt von hier in das Tal der Neiße ab. Sie gehört zu den steilsten Straßen von Jablonec.

Direkt unter uns können wir den Turm der St.-Anna-Kirche sehen, die das älteste Denkmal in Jablonec ist. Zu dieser Kirche, dem damaligen Mittelpunkt der Gemeinde, verliefen auch die alten Handelswege aus allen Himmelsrichtungen. Einer von ihnen ging an dieser Stelle vorbei.

Die Zeit, wann im Neißekessel die erste Siedlung entstand, kann nicht genau ermittelt werden. Die erste schriftliche Erwähnung über Jablonec stammt aus dem Jahre 1356. Dreizehn Jahre jünger ist eine Aufzeichnung, in der Jablonec als „arm“ und keine Steuern zahlend angegeben wird. Mit Beginn der Hussitenkriege (1419) verschwand Jablonec für fünfzig Jahre aus den schriftlichen Quellen. In den stürmischen Zeiten des Dreißigjährigen Krieges wurde Jablonec erneut in Brand gesteckt.

Erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts kam es zu einer schnellen Entwicklung von Jablonec. Im ersten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts hatte die Obrigkeit sogar versucht, für Jablonec den Status eines Marktfleckens zu bekommen, damals noch erfolglos. Das gelang dann erst einhundert Jahre später, im Jahre 1808. Nachdem die Gemeinde zum Markt erhoben wurde, hatte sie auch das Recht, Wochenmärkte und zwei Jahresmärkte abzuhalten.

Zu diesem Zweck wurde in Jablonec ein Marktplatz angelegt, der die Grundlage für den künftigen Platz des Friedens (Mírové náměstí) wurde. Das war für die Gemeinde ein bedeutsamer Augenblick, da das Entstehen des „Alten Marktes“ für den zukünftigen Charakter und das Stadtbild prägend war. Im Jahre 1866 wurde Jablonec zur Stadt erhoben, und 40 Jahre später wurde die Stadt in Jablonec nad Nisou umbenannt.

Von der Stelle, wo wir uns gerade befinden, ist der Blick auf die Stadt teilweise durch die Bebauung verdeckt. Auf der linken Seite tritt der Bergrücken Prosečský hřbet hervor, und gegenüber erhebt sich der bewaldete Bergrücken Harcovský hřbet. Wenn wir nur ein kleines Stück tiefer treten, eröffnet sich uns ein breiterer Blick auf die Stadt. In den Randgebieten der Stadt standen früher größtenteils Villen. In den 70iger und 80iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden in Jablonec nad Nisou im großen Umfang Plattenbauten errichtet, die teilweise auf der grünen Wiese entstanden, aber häufig eben auch an ursprünglich bebauten Orten.

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Straße Kokonínská

 

Straße Kokonínská

 
 
Hergestellt 22.6.2006 14:29:41 | gelesen 15999x | Petr Vitvar
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