Stadtgeschichte

Die erste Aufzeichnung über eine menschliche Ansiedlung am Nei eflu mit dem Namen Gablonz a.d. N. (Jablonec n. N.) stammt schon aus dem Jahre 1356.

, Bild öffnet in neuem FensterAllein während des ganzen Mittelalters erreichte sie nicht die Bedeutung der in den fruchtbaren Gebieten des Königreichs entstandenen Siedlungen. Nach Ausbrennen durch Heere Lausitzer Gegner des böhmischen Königs Jiří von Poděbrad im August 1496 verschwand die Siedlung wieder. Mit Zeitabstand wurden während der Wartemberger Reorganisation der Wirtschaft der Kleinskaler Herrschaft in den 30er und 40er Jahren des 16. Jahrhunderts im Rahmen der Kolonisiation des Isergebirges die Reste der ursprünglichen böhmischen Bevölkerung durch deutsche Ansiedler ersetzt. Es ging vor allem um Glasfachleute aus der in diesem Bereich fortgeschrittenen Haidaer Gegend, bezw. aus dem Erzgebirge, die in der hiesigen an Holz, Sand und Wasser reichen Gegend ihre bisherigen Erfahrungen geltend zu machen begannen.

Die Zeit des Drei igjährigen Krieges bedeutete für Gablonz . a.d. Nei e ein zweites Niederbrennen (2. Mai 1643) und nach seinem End den zwangsweisen Abgang von örtlichen Evangelischen ins Auslandexil. Nach dem bekannten Albrecht von Waldstein, der die Kleinskaler Herrschaft in der ersten Hälfte des Drei igjährigen Krieges besa , gewannen einen Gro teil des Gablonzer Gebiets noch zu seinen Lebzeiten (und später als freies Gut) die Grafen Des Fours. Im Zusammenhang mit der allgemeinen Entfaltung der Glaserzeung begann Gablonz in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts verhältnismä ig schnell aufzublühen. Das bezeugt der Aufbau der neuen, nun schon steinernen Kirche der hl. Anna. In der Mitte des 18. Jahrhunderts ist das Warensortiment der Gablonzer Erzeuger au er dem traditionellen Isergebirgsglas schon um die erste Bijouterie bereichert, was rasch die umliegenden Regionen zu interessieren begann. Das Interesse nahmen die ersten Exporteure vom Schlage eines Johann Franz Schwan wahr und verbreiteten den Ruhm der örtlichen Erzeugnisse über ganz Europa und noch darüber hinaus.

, Bild öffnet in neuem FensterDas Wirtschafts- und Handelspotential der anfangs bedeutungslosen Dorfansiedlung vergrö erte sich rasch. Durch kaiserlichen Entscheid vom 21. April 1808 wurde das Dorf Gablonz zur Marktgemeinde erhoben mit dem Recht, zwei Jahrmärkte abzuhalten und regelmä ige Wochenmärkte.

In den 30er und 40er Jahren des 19. Jahrhunderts hatte Gablonz bereits Geschäftsverbindungen mit der ganzen Welt. Was der Verkehr anbelangte, war es jedoch auf Grund seiner früheren Bedeutungslosigkeit von der Umgebung ganz abgeschnitten. Der Marktgemeinde half viel der Bau der sog. Riesengebirgsstra e in Richtung Reichenberg-Gablonz-Trautenau zu Ende der Vierziger jahre. Beim Bau der Eisenbahnstrecke Pardubitz-Reichenberg im Jahre 1859 wurde zwar die Interessen von Gablonz nicht berücksichtigt, aber der Begriff "Gablonzer Ware" wurde weltbekannt. Am 28. März 1866 erhob Kaiser Franz Josef I. Gablonz zur Stadt.

, Bild öffnet in neuem FensterIm Jahre 1868 wurde Gablonz definitiv Sitz des Bezirkshauptmanns. Der neue politische Bezirk Gablonz bestand aus den Gerichtsbezirken Tannwald und Gablonz.

Der preu isch-französiche Krieg in den Jahren 1870-71 setzte die gefährlichsten Konkurrenten in der Glas- und Bijouterieerzeugung au er Gefecht. Die Gablonzer Unternehmer besetzten die Auslandsmärkte und hielten sie fest. Das fast ganze folgende Halbjahrhundert flo aus der Stadt ein ununterbrochener Strom von Glas- und Bijouterieerzeugnissen in einem unglaublich breiten Sortiment- elastisch auf die Krise, auf politische Veränderungen, Hungerpesten oder einfach auf Geschmacksveränderungen reagierend - in die Länder der Kunden. Hand in Hand mit der wirtschaftlichen und demographischen Entwicklung ging auch der bauliche Aufschwung. Das Antlitz der Stadt Gablonz veränderte sich von Grund auf. In der Zeit vor dem I. Weltkrieg entstand ein Gro teil der repräsentativen Staats-, Verwaltungs- und Privatgebäude. Gablonz erhielt auch die Bahnverbindung nach Osten (Reichenberg) und Westen (Tannwald) und die Stra enbahnverbindung mit dem Süden und Norden der Region.

Nach Entstehen der Tschechoslowakischen Republik im Jahre 1918 kam es in der Hälfte der Zwanziger Jahre zu neuen Modezyklen und einem Ansteigen der Auslandskonkurrenz. Trotzdem wurden damals die zwei bedeutendsten Dominanten der Stadt - das neue Rathaus und die Herz-Jesu-Kirche erbaut.

Nach der Besetzung des Grenzgebiets durch Deutschland wurde auch Gablonz in den Jahren 1938-1945 Bestandteil des Deutschen Staates. Nach Ende des 2. Weltkrieges kam es zum Abschub der deutschen Bevölkerung und zur Neubesiedlung aus dem böhmischen Landesinnern.

Heute schüttelt die Stadt nach und nach vom Erbe der Vergangenheit das ab, was sie bedrückt und knüpft an das Bessere aus seiner Geschichte an.